Nachbetrachtung: Olympische Spiele ohne Spandauer Wasserballer

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Bei der in Triest gerade beendeten Olympiaqualifikation im Wasserball bescherte eine optimale Gruppenauslosung der Deutschen Mannschaft eigentlich eine sehr aussichtsreiche Ausgangssituation beim Kampf um einen der letzten 4 zu vergebenden Startplätze für Rio.

Vorprogrammierte Siege gegen Südafrika, Kasachstan und die Niederlande hätten den dritten Gruppenplatz hinter den Favoriten Italien und Spanien beschert, der dann im entscheidenden Überkreuzspiel um das Rioticket eine vermeintlich machbare Aufgabe gegen Frankreich gebracht hätte.

Die Realität holte das Deutsche Team, mit unseren 7 Spandauern, aber leider in Triest sehr schnell ein. Die Riotickets holten sich Ungarn, Italien, Spanien und das angepeilte deutsche Ticket entführten die Franzosen seit 1992 das erste Mal wieder in unser Nachbarland.

Am Ende stand nach 8 Turnierspielen an 8 Tagen für Deutschland die mehr als ernüchternde Bilanz von nur einem Sieg gegen ein hilflos agierendes Team aus Südafrika, einem Unentschieden gegen körperlich und konditionell limitierte Kasachen und sechs eigenen Niederlagen, was den 8. Platz im Zwölferfeld bedeutete und leider nicht annähernd den Erwartungen und dem eigentlichen Leistungsvermögen der Deutschen Mannschaft entsprach.

 

Dieser erneute, in Triest zu beobachtende, schwer erklärbare Leistungseinbruch entsprach nahtlos der bereits im Januar bei den Europameisterschaften in Belgrad gezeigten negativen Vorstellung der deutschen Dreizehn!

 

Noch beim abschließenden Turnier vor den Europameisterschaften in Dubrovnik zur Jahreswende hatte das Team mit einem Sieg gegen den amtierenden Olympiasieger Kroatien und einem guten, knapp verlorenen Spiel gegen den späteren Vize-Europameister Montenegro aufhorchen lassen und die anwesende Fachwelt von ihrem Leistungsvermögen überzeugt.

Die gleichen Fachleute vom Balkan und auch die angereiste kleine Spandauer Fangruppe rieben sich dann bei den Europameisterschaften und jetzt bei der Olympiaqualifikation die Augen, da sie das Deutsche Team nicht mehr wiedererkannten.

 

Während auch unser Spandauer Vereinsteam mit guten Resultaten in der Championsleague gegen mit Nationalmannschaften identischen Mannschaften aus Spanien, Griechenland, Montenegro und Kroatien überraschend punktete, enttäuschte die Deutsche Nationalmannschaft nach Belgrad jetzt auch in Triest fast durchgängig.

 

Mit 2 guten ersten Vierteln gegen Spanien, einer kurzen, guten Phase gegen die Niederlande und einem sehr starken Abschlußviertel gegen Ungarn zeigte das Team nur temporär, welches Potential eigentlich in ihm steckt.

 

Abschließend musste man jedoch feststellen, dass außer dem deutschen Torwart Roger Kong mit durchgängig guter Turnierleistung kein Spieler während des ganzen Turniers in Triest seine – eigentlich zum wichtigsten Turnier der letzten 4 Jahre zu erwartenden und auch notwendigen – Topleistungen abrufen konnte.

Einzelne Spieler zeigten in Triest wenigstens viertelweise, was eigentlich in ihnen steckt. Dies gelang ihnen leider aber nie durchgängig und nachhaltig. Andere Spieler konnten leider während des ganzen Turniers, wie schon bei der EM im Januar, wieder nicht ihr wahres Leistungsvermögen abrufen.

Das war z. B. bei den Franzosen und Niederländern völlig anders. Beide Teams spielten fast durchgängig am Limit.

 

Selbst beim Nachsitzen, bei den Platzierungsspielen um die Plätze 5 bis 8, nach der Fast-Sensation im Viertelfinale gegen Ungarn (7 : 8 Niederlage gegen den EM Dritten von Belgrad) konnte das Deutsche Team nicht mehr gewinnen. Im erneuten Spiel gegen die Holländer wurde dabei sogar eine 5 : 1 Führung noch verspielt. Auch gegen Rumänien gab es dann, wie auch gegen Holland, eine Niederlage mit einem Tor, so dass in dieser Platzierungsrunde um einen eventuellen Nachrückerplatz nur der letzte 8. Platz heraussprang.

 

Diese letzten beiden Mißerfolge könnten jetzt noch nachträglich zu zusätzlichem Gesprächsstoff und Analysebedarf führen. Der Weltverband FINA hat gegen Frankreich, mit unseren beiden Spandauer Spielern Mehdi Marzouki und Remi Saudadier Untersuchungen wegen möglichem Verstoß gegen die Fair-Play- Statuten eingeleitet.

Frankreich wird vorgeworfen im Spiel gegen Kanada absichtlich verloren zu haben, um im entscheidenden Viertelfinalspiel dem vermeintlichen Favoriten Spanien aus dem Weg zu gehen. Sollte dem so sein und Frankreich dafür nach eingehender Prüfung durch die FINA sanktioniert werden, würden die 5. plazierten Holländer für Rio nachrücken.

 

Das wäre dann der 2. höchstmöglich zu erwartende Supergau für den deutschen Wasserball, da das deutsche Team die Platzierungsspiele nach der Enttäuschung der Gruppenspiele und dem gegen Ungarn knapp verlorenen Viertelfinale nicht mehr mit dem entsprechenden vollen Einsatz angegangen ist.

 

Unsere Spieler müssen jetzt mühsam im Verein wieder die Freude am Wasserball finden.

Das Championsleague-Spiel am 16. April, nur 5 Tage nach der Rückreise aus Triest, brachte mit einem 9 : 9 zwar einen Punktgewinn gegen den montenegrinischen Primus. Viele Spieler waren aber nur körperlich im Wasser, laborierten aber mental verständlicherweise noch am Flop der Nationalmannschaft.

 

Die mit Platz 11 verpatzte EM im Januar 2016 und der Platz 8 beim Olympia-Qualifikationsturnier in Triest ist sicher die schlechteste, zusammenhängende Ergebnisserie einer deutschen Herren Nationalmannschaft in diesem Jahrtausend.

Da jetzt Olympia in Rio und auch die WM 2017 in Budapest ohne Deutschland stattfindet, sind sicher alle Personalien in Deutschland im Wasserball bezüglich ihrer Zukunftsfähigkeit und ihrer Verantwortung für die Ergebnisse zu überprüfen. Genug Zeit hat man dafür aber nicht, obwohl die nächsten beiden Jahreshöhepunkte Olympische Spiele 2016 und die Weltmeisterschaften 2017 ohne deutsche Wasserballer stattfinden werden.

Das gute ist die Gewissheit, dass der deutsche Herren-Wasserball besser ist, als die diesjährigen Ergebnisse belegen.

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