Interview mit Petar Kovacevic: „Ich möchte längerfristig etwas aufbauen!“

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Spandau 04 ist national wieder Spitze – nach dem doppelten Titelverlust in Pokal und Meisterschaft 2012/2013 an den ASC Duisburg holten sich die Berliner in der Saison darauf beide Championate zurück. Und das trotz mancher personeller Turbulenz. Unmittelbar vor dem Pokal-Final Four Anfang Mai trennte man sich vom erst zu Saisonbeginn verpflichteten ungarischen Trainer Andras Gyöngyösi. Manager Peter Röhle übernahm das vermeintliche „Himmelfahrtskommando“ und führte das Team zum umjubelten Double.

Dass dennoch ein neuer Mann auf dem Posten des sportlichen Chefs gebraucht wurde, stand freilich damals schon fest, denn Röhle konnte die Doppelbelastung als Sportlehrer im Polizeidienst und Wasserball-Coach eines auch international ambitionierten Teams nur für einen Interimszeitraum leisten. Sein Nachfolger war relativ schnell gefunden: Petar Kovacevic, 37 Jahre jung, Montenegriner mit französischem Paß, ist dank seiner Wasserballstationen zuvor in der Heimat, in Frankreich (Marseille, Nationalmannschaft) und zuletzt bei Galatasaray Istanbul ein guter alter Bekannter der 04-“Macher“.

Seit 1. August ist Kovacevic in Berlin, hat das Training mit dem Team aufgenommen und bereitet die neue Saison vor. Den ersten echten Test und Standortbestimmung wird es vom 18. bis 21. September geben, wenn Spandau bei einem Sechser-Turnier in Neapel ins Becken geht und dabei auf vier italienische Top-Teams (Posilippo Neapel, Canottieri Napoli, Lazio Rom, Carpisa Yamamay Acquachiara) und Frankreichs Olympic Nizza treffen wird. Im Interview erzählt Kovacevic über seinen Weg im Wasserball, seine Stationen und seine Ziele mit Spandau 04.

 

Sie kommen aus Kotor – in dieser Wasserballhochburg gab es wohl gar kein Entrinnen vor dieser Sportart?

Das kann man so sagen. Ich habe mit drei Jahren begonnen, Wasserball zu spielen und dann bin ich immer dabei geblieben. Kotor hat gerade mal 3000 Einwohner, aber sportlich dreht sich bei denen alles um Wasserball. Das geht bei den Kids los, setzt sich in der Schule fort. Es gibt kaum einen, der davon unberührt bleibt. Ich habe bei Primorac alle Kinder- und Jugendteams durchlaufen, in diesen Altersklassen auch ein paar Mal in der Auswahl gespielt.

Wie ist Ihre Männerkarriere verlaufen?

1993, mit 16, habe ich das erste Spiel gemacht. Das ließ sich alles sehr gut an, bis mich im November 1995 eine schwere Schulterverletzung gestoppt hat. Da war es mit der Spielerkarriere aus. Vom Wasserball aber konnte ich nicht lassen. Ich habe angefangen, diverse Mannschaften zu trainieren – erst die Kleinen, dann die Mittleren, die Frauen, schließlich auch Männer. Als Assistantcoach bei Primorac ab 1999, dann als Cheftrainer im serbischen Nis und in Becej. Ich war jeden Tag am Pool. 2006 folgte der Wechsel nach Marseille. Vier Jahre war ich parallel auch Nationalcoach in Frankreich, 2012 bin ich für zwei Jahre zu Galatasaray Istanbul gegangen.

Auf Ihrem Weg sind Sie oft auf Spandau und dessen Akteure im Nationalteam gestoßen. Als die Anfrage kam, ob Sie sich einen Wechsel nach Berlin vorstellen können, wie lange mussten Sie überlegen?

Eigentlich gar nicht. Spandau 04 ist immer noch ein großer Name im europäischen Vereinswasserball. Ein Klub mit beeindruckender Tradition, guter Struktur, engagierten Funktionären,. Und einer – das habe ich schnell festgestellt – sehr lebendigen Vereinsatmosphäre. Das ist eine echte Wasserball-Familie, in der alle Dinge gut zusammenlaufen und sehr gut kommuniziert werden.

Sie haben mit Familie Quartier in Berlin bezogen. Das zeugt davon, dass Sie sich auch ein längeres Bleiben vorstellen können …

Auf jeden Fall, aber zunächst einmal gilt es, zu beweisen, was ich kann und zu prüfen, ob wir – Spandau 04 und ich – gut zusammenpassen. Mein Gefühl sagt Ja. Aber natürlich hängt das von vielen Dingen ab. Und die jüngsten Erfahrungen des Vereins in der Hinsicht waren ja nicht so toll. Ich möchte hier längerfristig etwas aufbauen, anschließen an die große Tradition. Und da möchte ich meine Familie, meine Frau Aleksandra und meine beide Söhne Andrej (8) und Konstantin (5) dabei haben.

Welche Art Trainer sind Sie – ein lauter, ein leiser, ein Diktator oder ein Kumpeltyp?

Ich denke mal, Disziplin ist wichtig und eine Prämisse für den Erfolg. Aber Disziplin kann man nicht befehlen, die muss bei den Aktiven von innen heraus kommen. Ich wünsche mir Spieler, die ein Bewusstsein dafür haben, was wichtig ist. Die ich nicht pushen muss, sondern die von selbst soviel Ehrgeiz und Willen haben, dass daraus Erfolg wächst. Natürlich nehme ich als Trainer dabei Einfluss, erziehe quasi indirekt.

Wie ist Ihr Eindruck vom Team nach dem ersten Monat?

Ich glaube, dass das eine kompakte Mannschaft ist. Wir sind dabei, eine Stammformation zu bilden. Alle können sich dafür anbieten – auch die jungen Spieler, auf deren Entwicklung ich besonders schaue und gespannt bin. Es wird eine Schlüsselfrage, wie sich das Team verhält, wenn die Probleme kommen. Trainer und Mannschaft sollten eine Einheit sein, dafür sind die Voraussetzungen gut. Wir haben schon mal eine Verabredung getroffen: ich bringe ihnen Wasserball bei und sie mir (Wasserball-)Deutsch. (Lacht)

Welches sind Ihre Nahziele mit Spandau 04?

Natürlich die Verteidigung der beiden nationalen Titel. Gute Auftritte in der Champions League gegen europäische Topteams ab November. Und dazu die individuelle Entwicklung der Spieler – Spandau 04, das weiß ich von Hagen Stamm und Peter Röhle, denkt nie allein im egoistischen Klubinteresse, sondern stets auch ans Nationalteam. Die vergangene EM in Budapest hat gezeigt, dass dort dringlicher Handlungsbedarf besteht. Dafür braucht man entsprechende Spieler.

 

Das Interview mit Petar Kovacevic führte Klaus Weise

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